Haargurke

Sicyos angulatus

Die Haargurke (Sicyos angulatus) ist eine einjährige, schnellwüchsige (bis zu 10m/Jahr), Kletterpflanze, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. Im 20. Jahrhundert wurde sie als Zier- und Futterpflanze nach Europa eingeführt, verbreitete sich dort jedoch unkontrolliert in Flussauen, an Waldrändern, Bahndämmen und in landwirtschaftlich genutzten Flächen. Durch ihr aggressives Wachstum, ihre hohe Samenproduktion und das rasche Überwuchern anderer Vegetation gilt sie heute als invasive Art, insbesondere in wärmeren Regionen Mitteleuropas. Ihre auffälligen, stacheligen Früchte und die Blätter machen sie leicht erkennbar. Die Art hat ein grosses Ausbreitungspotential hierzulande und ist somit eine Bedrohung für die heimische Flora.

Steckbrief

verbotene Pflanze

Lateinischer Name

Sicyos angulatus

Herkömmlicher Name

Haargurke

Synonyme

Elaterium trifoliatum 

Herkunft

Nordamerika

Familie

Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)

Habitus

Kletterpflanze

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Biologie der Haargurke

Pflanzenstruktur und Blätter

Mithilfe von spiralig aufgerollten Ranken kann die Haargurke schnell Höhen von bis zu 6 Metern oder mehr erreichen. Ohne geeignete Kletterhilfen bildet sie bodendeckende Matten, die grosse Flächen überwuchern. Die Triebe sind weich, behaart und verzweigt, die Ranken entspringen den Blattachseln.
Die Blätter sind wechselständig, handförmig gelappt mit 3–5 spitzen Lappen und gezähntem Rand. Sie haben einen Durchmesser von 8–20 cm. Die Blattunterseite sowie die Blattstiele sind mit steifen Haaren bedeckt, was der Pflanze ihren Namen gibt. Die Blätter erinnern im Umriss an die von anderen Kürbisgewächsen, sind jedoch filigraner als zum Beispiel die der ebenfalls invasiven Echinocystis lobata (Stachelgurke).

Blüten und Früchte

Die Blüten der Haargurke sind getrenntgeschlechtlich, aber auf derselben Pflanze (einhäusig). Die männlichen Blüten stehen in lockeren, langen Trauben, die weiblichen meist einzeln oder in kleinen Gruppen in den Blattachseln. Sie sind grünlich-weiss bis gelblich und unscheinbar, blühen von Juli bis September und werden hauptsächlich von Insekten wie Fliegen und Bienen bestäubt.
Die Früchte sind auffällig: stachelige, etwa 1–2 cm grosse, eiförmige Kapseln mit 1–3 Samen. Sie haften durch ihre kleinen Widerhaken leicht an Tieren oder Kleidung und werden dadurch grossflächig verbreitet. Im Spätherbst trocknen sie aus und setzen die Samen frei.

Vermehrung und Ausbreitung

Sicyos angulatus vermehrt sich ausschliesslich generativ über Samen. Diese keimen bevorzugt in offenen, gestörten Lebensräumen wie Uferböschungen, frisch bearbeiteten Feldern oder entlang von Verkehrswegen. Eine einzelne Pflanze kann keimfähige Samen im fünfstelligen Bereich produzieren. Die Samen bleiben im Boden über Jahre keimfähig (ausdauernde Samenbank) und führen zu unvorhersehbaren Populationsausbrüchen nach Bodenstörungen. Die Pflanzen wachsen extrem schnell und keimen bereits sehr früh, ab März. Durch ihre Haftfrüchte verbreitet sich die Pflanze passiv über Tiere (Zoochorie), Wasser (Hydrochorie) und auch durch landwirtschaftliche Geräte oder über transportierte Erdmassen.

Regenerationsfähigkeit

Da S. angulatus eine einjährige Pflanze ist, treibt sie im Folgejahr nur dann wieder aus, wenn Samen vorhanden sind. Jedoch ist die Samenbank im Boden sehr ausdauernd und es reichen minimale Samenmengen für eine schnelle Neubesiedlung. Besonders problematisch ist, dass viele Samen nach der ersten Reife abfallen und im Boden überdauern. Einmal etablierte Populationen sind daher schwer auszurotten und benötigen eine mehrjährige Kontrolle. Im Gegensatz zu mehrjährigen invasiven Arten wie dem Japanischen Geissblatt fehlt der Pflanze vegetative Vermehrung, ihre Regenerationskraft basiert rein auf der Samenausbreitung.

Invasivität und Bedrohung

Warum ist die Haargurke invasiv?

Die Haargurke ist in Europa aufgrund ihrer raschen Entwicklung, ihres ausladenden Wuchses und ihrer hohen Reproduktionsrate eine invasive Pflanze. In wenigen Wochen kann sie konkurrenzschwache Vegetation, junge Bäume oder Sträucher vollständig überwuchern und damit am Lichtmangel absterben lassen. Besonders entlang von Gewässern und Waldrändern ersetzt sie durch ihren dichten Wuchs die natürliche Krautschicht. In landwirtschaftlichen Kulturen wie Mais, welche viel Wasser brauchen, kann sie besonders viel Schaden anrichten. Sie mag allerdings Trockenheit nicht und gerade die Jungpflanzen brauchen viel Licht.

Ökologische Auswirkungen

Die Haargurke hat mehrere negative Effekte auf betroffene Ökosysteme. Sie verdrängt heimische Pflanzenarten, indem sie diese durch Beschattung, Nährstoffkonkurrenz und physisches Überwachsen zurückdrängt. Besonders in Auenwäldern beeinträchtigt sie wichtige Sukzessionsprozesse, da sie die Waldverjüngung behindert. Darüber hinaus verändert sie das Mikroklima am Boden, weil sie eine dichte, schattige Pflanzendecke bildet. Auch die Bestäuberfauna wird gestört: Zwar sind ihre Blüten für manche Insekten attraktiv, doch durch ihr massenhaftes Auftreten könnten Bestäuber von selteneren, heimischen Pflanzenarten abgezogen werden.

Gesundheitliche Auswirkungen

Für den Menschen und Tiere sind keine direkten toxischen Wirkungen der Pflanze bekannt.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Haargurke verursacht erhebliche Kosten in der Landwirtschaft, da sie Mais-, Soja- und andere Ackerkulturen überwuchert und dadurch deren Erträge deutlich beeinträchtigt. Ihre langen, rankenden Triebe erschweren zudem den Einsatz von Erntemaschinen und die Bewirtschaftung der Felder. Auch in ökologisch sensiblen Bereichen wie Wasserschutzgebieten und Auenlandschaften erfordert ihr Auftreten einen erhöhten Aufwand im Naturschutzmanagement.

Situation in der Schweiz

In der Schweiz ist die Art bisher nur regional aufzufinden, aber zunehmend problematisch. Besonders in tiefer gelegenen, wärmeren Regionen (z. B. Tessin, Genferseeregion) tritt sie gehäuft auf. Sie findet dort ideale Bedingungen in gestörten Auen und an Bahndämmen. Insbesondere entlang von Flüssen kann sie sich mithilfe des Wassers rasch ausbreiten und ist daher eine potenziell gefährliche Neophytenart für naturnahe Lebensräume. Die Art ist in vielen Nachbarländern bereits etabliert, was ihr Potential in der Schweiz erhöht.

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Massnahmen und Bekämpfung

  • Frühzeitiges Ausreissen: Vor der Fruchtbildung (August-Oktober) sollten Jungpflanzen mitsamt Wurzeln entfernt werden.
  • Abschneiden von Ranken: In dichten Beständen kann es sinnvoll sein, die Ranken zuerst zu kappen und anschliessend bodennahe Triebe zu entfernen.
  • Mahd: Mehrfache Mahd während der Vegetationsperiode kann die Samenproduktion stark reduzieren.
  • Der Einsatz von Herbiziden ist in der Schweiz streng geregelt und nur in Ausnahmefällen zulässig (nach ChemRRV). Generell wird für diese Art auf chemische Bekämpfung verzichtet.

Präventive Massnahmen

  • Keine Anpflanzung oder Aussaat, auch nicht als Zierpflanze.
  • Sauberhalten von Maschinen und Schuhwerk, um Samenverschleppung zu vermeiden.
  • Monitoring an Flussufern, Bahndämmen und Ackerflächen mit häufigen Bodenstörungen.

Sorgfältige Entsorgung

Alle Pflanzenreste ausschliesslich über professionelle Kompostierung oder Verbrennung entsorgen. Keinesfalls im Hauskompost lagern, da Samen überdauern.

Langfristige Kontrolle

Mehrjährige Nachkontrollen sind erforderlich, da Samen über mehrere Jahre keimfähig bleiben. Eine Nachsaat mit konkurrenzstarken heimischen Arten wie Goldrute, Beifuss oder Ufergräsern kann helfen, Vegetationslücken zu schliessen und eine Wiederbesiedlung zu verhindern.

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01

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Bildquelle:

Beitragsbild: Hardyplants, Public domain, via Wikimedia Commons

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