Bastardindigo

Amorpha fruticosa

Der Bastardindigo (Amorpha fruticosa) ist ein laubabwerfender Strauch, der ursprünglich aus Nordamerika stammt. Er wurde im 18. Jahrhundert nach Europa eingeführt und hat sich seither in verschiedenen Regionen stark ausgebreitet. Besonders an Flussufern, in Auenwäldern und auf gestörten Böden ist er häufig zu finden. Durch seine dichte Wuchsform und seine Fähigkeit, Stickstoff im Boden anzureichern, beeinflusst er ökologische Systeme erheblich. Seine violetten Blüten mit gelben Staubbeuteln machen ihn zu einer beliebten Zierpflanze, gleichzeitig wird er aber als invasive Art eingestuft, da er heimische Vegetation verdrängt und ökologische Gleichgewichte stören kann.

Steckbrief

Informationspflichtig

Lateinischer Name

Amorpha fruticosa

Herkömmlicher Name

Bastardindigo

Synonyme

Amorpha angustifolia, Amorpha glabra, Amorpha brachycarpa, Amorpha punctata, Amorpha dewinkeleri, Amorpha emarginata, Amorpha fragrans, Amorpha humilis, Amorpha occidentalis, Amorpha pendula, Amorpha virgata, Bleibusch, Scheinindigo, Falscher Indigo

Herkunft

Nordamerika

Familie

Fabaceae (Hülsenfrüchtler)

Habitus

Strauch

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Biologie der Bastardindigo

Pflanzenstruktur und Blätter

Der Bastardindigo ist ein vieltriebiger, sommergrüner Strauch, der Wuchshöhen von bis zu 6 Metern erreichen kann. Seine Blätter sind kurz gestielt, unpaarig gefiedert und bestehen aus 6 bis 25 elliptischen bis lanzettlichen Fiederblättchen, die eine Länge von bis zu 6 cm erreichen können. Sie haben einen ganzen Rand und sind zugespitzt. Der Strauch bildet zahlreiche unterirdische Ausläufer, die zur dichten Ausbreitung beitragen. Seine Rinde ist graubraun und kann mit zunehmendem Alter rissig werden.

Blüten und Früchte

Die dichten, traubenartigen Blütenstände treten an den Enden der Zweige auf. Die Blüten sind 1-2mm gross, violett und haben 10 auffällige, rötlich-gelbe Staubblätter mit Staubbeuteln. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Nach der Bestäubung durch Insekten entwickelt die Pflanze Früchte in Form von Schoten, die jeweils ein bis zwei Samen enthalten. Die Schoten sind bis zu 10mm lang, haben eine braune Färbung und sind gebogen. Sie reifen im Spätsommer bis Herbst und bleiben oft den ganzen Winter über an der Pflanze hängen.

Vermehrung und Ausbreitung

Der Bastardindigo vermehrt sich sowohl generativ als auch vegetativ. Die schweren Samen fallen entweder in der Nähe der Mutterpflanze auf den Boden oder werden übers Wasser verbreitet, wobei sie mehrere Tage lang schwimmfähig bleiben. Samen haben prinzipiell eine hohe Keimrate, allerdings reifen in Europa Samen mittlerweile weniger oft aus. Die Pflanze kann sich vegetativ durch Wurzelausläufer oder Wurzel- und Stammfragmente ausbreiten. Ausserdem enthalten Teile der Pflanze Giftstoffe, was sie vor Insektenbefall schützt. Aufgrund ihrer starken Anpassungsfähigkeit kann sie rasch neue Lebensräume besiedeln. Besonders an Flussufern kann sie sich durch angeschwemmte Samen oder abgerissene Wurzelstücke leicht vermehren. Durch das Fehlen von Schädlingen und Pathogenen wird der schnellen Ausbreitung wenig entgegengestellt.

Regenerationsfähigkeit

Die Pflanze besitzt eine hohe Regenerationsfähigkeit. Blattverlust kann sie schnell wieder ausgleichen und auch nach starken mechanischen Eingriffen kann sie erneut austreiben. Selbst aus kleinen Wurzelresten oder abgerissenen Zweigen können neue Pflanzen entstehen. Dies macht die Bekämpfung besonders schwierig, da einmal etablierte Bestände hartnäckig bleiben und sich schnell erholen.

Invasivität und Bedrohung

Warum ist die Bastardindigo invasiv?

A. fruticosa wird als invasive Art eingestuft, da sie sich schnell ausbreitet und durch ihre dichte Wuchsform heimische Pflanzen verdrängt. Durch die Fähigkeit, Stickstoff im Boden anzureichern, beeinflusst sie vor allem nährstoffarme Ökosysteme, wo sie konkurrenzschwache Arten verdrängt und das Artengefüge erheblich stört. An offenen Standorten wie in gestörten Flächen im Wald oder kahlen Uferböschungen kann sie schnell Monokulturen ausbilden und sich weiterverbreiten. Zudem verhindert sie durch ihre Beschattung das Keimen und Wachsen lichtliebender Pflanzen.

Ökologische Auswirkungen

Die Ansiedlung vom Bastardindigo kann empfindliche Ökosysteme stark verändern. Besonders in Auenwäldern und an Flussufern beeinflusst sie die natürliche Vegetation erheblich. Durch die Stickstoffanreicherung werden Nährstoffverhältnisse verändert, was zur Reduktion der Biodiversität führt. Dies wird verstärkt, indem wichtige Mechanismen eines Ökosystems wie Sukzession und Vegetationsverjüngung unterbrochen werden, was die Zusammensetzung der Flora und Fauna nachhaltig verändert. Zudem werden durch die dichte Wuchsform und Abgabe von allelopathischen Substanzen heimische Pflanzen verdrängt, was sich auch negativ auf gewisse Tierarten auswirken kann.

Gesundheitliche Auswirkungen

Gesundheitliche Auswirkungen wurden bisher nicht festgestellt.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Pflanze stellt eine Herausforderung für den Hochwasserschutz dar, da sie sich häufig in Flussnähe ansiedelt und die natürliche Dynamik von Flusslandschaften stören kann. Die Bekämpfung verursacht erhebliche Kosten, insbesondere durch mechanische oder chemische Massnahmen zur Eindämmung.

Situation in der Schweiz

In der Schweiz hat sich A. fruticosa in den letzten Jahrzehnten zunehmend verbreitet, insbesondere entlang von Flussufern und in gestörten Lebensräumen. Die Art wird als invasiv eingestuft und bedroht durch ihre rasche Ausbreitung und Stickstoffanreicherung heimische Pflanzengesellschaften. Besonders in Schutzgebieten stellt sie eine erhebliche Herausforderung dar. Allerdings ist sie im Moment noch kein drastisches, schweizweites Problem.

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Massnahmen und Bekämpfung

Um die Ausbreitung des Bastardindigos einzudämmen, werden verschiedene Methoden angewendet. Dabei ist es wichtig, jeweils vor der Blüte einzugreifen. An Stellen, wo bekämpft wurde, müssen offene Flächen wieder zugepflanzt werden.

  • Mechanische Entfernung: Junge Pflanzen und kleine Bestände können manuell ausgerissen werden. Dabei ist darauf zu achten, möglichst viele Wurzelreste zu entfernen, da die Pflanze sonst erneut austreiben kann.
  • Regelmässige Mahd: Grossflächige Bestände sollten mehrmals jährlich bodennah gemäht werden, um die Blütenbildung und somit die Samenproduktion zu verhindern. Beweidung: In bestimmten Regionen hat sich der Einsatz von Ziegen oder anderen Weidetieren bewährt. Durch regelmässiges Abfressen und Kombination mit anderen Bekämpfungsmethoden werden Bestände geschwächt und ihre Ausbreitung reduziert.
  • Ringeln: Grosse, kräftige Bäume können geringelt werden. Dabei wird die Rinde rund um den gesamten Stamm an einer Stelle vollständig entfernt, wodurch die Versorgung mit Nährstoffen unterbrochen wird und der Baum allmählich abstirbt.
  • Chemische Bekämpfung: Der Einsatz von Herbiziden (hier: Garlon) ist nur unter strengen Auflagen möglich und sollte von Fachpersonal durchgeführt werden. Besonders in sensiblen Gebieten sind chemische Massnahmen oft nicht erwünscht.

Präventive Massnahmen

  • Bepflanzung von Risikogebieten: Offene, gestörte Flächen mit Invasionspotential sollten entsprechend bepflanzt werden.
  • Öffentliche Sensibilisierung: Informationen über die invasiven Eigenschaften der Pflanze und mögliche Alternativen für Zierpflanzungen können zur Eindämmung beitragen.

Sorgfältige Entsorgung

Alle Pflanzenreste, insbesondere Samen und Wurzeln, müssen in einer professionellen Kompostierungs- oder Verbrennungsanlage entsorgt werden. Eine Entsorgung im Gartenkompost ist ungeeignet, da die Pflanze sich durch Wurzelausläufer regenerieren kann.

Langfristige Kontrolle

Die erfolgreiche Bekämpfung von Amorpha fruticosa erfordert eine langfristige Strategie mit regelmässigen Kontrollen. Nach der Entfernung sollten heimische Pflanzenarten nachgesät werden, um eine erneute Besiedlung zu verhindern und die Biodiversität zu fördern.

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